1. Historiker haben im Hinblick auf die Ereignisse 1918/19 von einer „Revolution, die
keine war“ gesprochen.
1.1 Inwiefern bestätigt diese These die von uns zitierte Meinung Walter RATHENAUs über die Revolution?
1.2 Es kann vermutet werden, dass führende Sozialdemokraten nach 1919 selbst
dazu beigetragen haben, das revolutionäre Geschehen, aus dem die Weimarer Republik hervorgegangen war, in Vergessenheit geraten zu lassen. Diese
Meinung vertritt u. a. der Historiker RÜRUP1.2.1 Wie begründet RÜRUP diese Meinung?
1.2.2 Versuchen Sie, die knappe Begründung des Autors aufgrund Ihrer Kenntnisse über die Geschichte der Weimarer Republik im Einzelnen zu belegen
2. Wie Sie wissen, war der „Reichskongreß der Arbeiter- und Soldatenräte“ im
Dezember 1918 aufgerufen worden, über die künftige demokratische Grundordnung
der Republik – über die Frage: Parlamentarische Demokratie oder Räte-Republik –
eine Vorentscheidung zu treffen. (Die endgültige Entscheidung sollte der Nationalversammlung vorbehalten werden, was jedoch bedeutete, dass ein mehrheitliches
Votum für die Einberufung dieser Nationalversammlung bereits einer Ablehnung
des Räte-Systems gleich kam.) Beide Positionen wurden auf dem Reichskongress
vor der Abstimmung noch einmal in zwei Grundsatzreferaten umrissen. Für die
„Einberufung der Nationalversammlung“ sprach der Sozialdemokrat Max COHEN.
Das Korreferat hielt als Vertreter der „Unabhängigen“ Ernst DÄUMIG, der sich für
die Entwicklung einer Räte-Republik einsetzte. (Wir erinnern daran, dass der
Antrag DÄUMIGs, den Räten die gesetzgebende und vollziehende Gewalt zu übertragen, mit 344 gegen 98 Stimmen abgelehnt wurde.) Im Folgenden werden aus
beiden Reden einige wichtige Passagen zitiert:
3. Auf dem Parteitag der SPD im Juni 1919 hat R. WISSEL (er war Reichsminister
in jenen vier Kabinetten der Weimarer Zeit, in denen die SPD zu den Regierungsparteien zählte) die bisherige Politik der Partei hart kritisiert, wie das folgende
Zitat aus seiner Parteitagsrede ausweist: